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Dingarkanum und Psychose

Rudolf Heinz

Lesefassung des Vortrags im Rahmen der Internationalen Fachtagung Psychoanalyse & Psychiatrie, 5. - 7. September im Klinikum Oberberg, Klinik Marienheide - Zentrum für Seelische Gesundheit, Kuratiert von Karsten Wolf und Michael Meyer zum Wischen. – Der Text ist vom Autor für die private Online-Lektüre freigegeben. Jede weitere Verwendung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. © Copyright 2014ff Prof. Dr. Rudolf Heinz.

Dingarkanum und Psychose. Elemente einer alternativen psychosentheoretischen Propädeutik

Nun, meine Damen und Herren, keine Bange aber bitte ob der Esoterik des Obertitels meines kurzen Vortrags! Denn "Dingarkanum", das meint das geheimnisvolle Innere der Dinge, die Dinge als Geheimnisträger. Und was ist das? Weniger geheimniskrämerisch als dieser Terminus nahelegen könnte, nämlich alle Zugänge zu den von uns geschaffenen Dingen, die jenseits der gewöhnlichen Zweckrationalität angesiedelt erscheinen, wie, beispielhaft, künstlerische Dingakzesse unter anderen - denken Sie etwa an die Surrealisten, was alles sie denselben antun, und die keinerlei bloß projektives Sonntagsdekor der vermeintlich seinsrangig höchsten zweckrationalen ausmachen.

Hier nähme denn sogleich auch schon, in diesem breiten Jenseits, Psychopathologie, an ihrer Spitze Psychose, Schizophrenie, platz: vermessene, und deshalb bestrafte Überaneignung, Usurpation des unabgelösen einbehaltenen Dingarkanums. 

Aber ja - Fragen über Fragen über Fragen! Prompt hätte man alle Hände voll damit zu tun, den Voraussetzungen in all dem nachzujagen. Die Alternativität aber meines psychosen­theore­tischen Ansinnens bricht sich am Umstand, auf eine ganze Masse an - der institutionellen Amnesie anheimgefallenen - psychopathologischen Konzepten, insbesondere die phänomenologischen und daseinsanalytischen von ehedem, rekurrieren zu können; dessen Spuren notorisch bis zu Lacan, und nicht zuletzt bis zu dessen Ableger, dem "Anti-Ödipus", reichen – schlechte Karten also für meinen Innovationsanspruch? 

Folgt nunmehr der Versuch, den bislang ja des einzelnen leergelassenen Begriffsgehalt des "Dingarkanums", dessen Bedeutungsdimensionen anzunähern. Ich bediene mich dafür eines - das betreffende Dingverhältnis isolierenden - kasuistischen Ausschnitts psychiatrischer Observanz, dem der weitere Aufschluß eben des fraglichen Leitbegriffs "Dingarkanum anheimgestellt sei.

Also: ein jüngerer schizophrener Patient verweigert vor seiner Aufnahme, sich auf den - vor dem Schreibtisch des für das Erstgespräch bereiten Psychiaters bereitgestellten - Stuhl zu setzen, und macht gar Anstalten, voll der Panik zu fliehen. Wohlgemerkt: es ist der Stuhl, der ihm solch große Pein macht, und auf dieses ungewöhnliche - üblicherweise zu einzigen Gunsten der Gesamtszene intersubjektiven Belange außer acht gelassenen Angstobjekt (der "schizophrene Stuhl") erlaube ich mir mich zu kaprizieren.

Selbstverständlich: die folgenden weitgreifenden Erklärungen des schizophrenen Patienten Angst bleiben solange unverifi­ziert, bis sie, an ihn herangebracht, von ihm bestätigt oder widerlegt würden. Wie aber soll dies geschehen? Hier muß ich, lange wohl fürs erste, passen - meine explanativen Hypothesen hängen, falsifikationsoffen, in wissenschaftlichem Verstande in der Luft. Gewiß, doch darf ich mir herausnehmen, auf so etwas wie die innere Evidenz theoretischer Antezipationen - ein weiteres Problem! - erfahrungsgesättigt zu setzen - reiner Empirismus, das geht ja nicht; und auch die schiere Utopie einer Art von Labor zu erwägen, in dem, unter ärztlichem Schutz, gegen den allherrschenden psychiatrischen Strich, auf solchem Dissidenzkurs experimentiert werden könnte. Eines aber wäre im allgemeinen dafür schon präjudizierbar: die Psychotiker werden vehement sich eben gegen solche Zugriffe, Enteignungen nachgerade, zur Wehr setzen.

Einmal dieser Abweichungsfährte verpflichtet, gilt die eröffnende Frage: was ist, auf das besagte "Dingarkanum" hin, ein Stuhl? Als eine der häufigsten Sitzgelegenheiten die materialisierte Idee des Sitzens, fast ein göttlich Ding, jedenfalls im Unterschied zum immer skandalös kreatürlichen, wenn sitzens­pflichtig menschlichen Körpers, der es in dieser Position, selbst wenn er Arme und Hände, dem Körperersatz der Hinterbeine des Stuhls, zum Abstützen nutzte, nicht lange aushält, in seiner kompensationsbedürftigen "Organminderwertigkeit", um des währenden Sitzens willen, die Prothese Stuhl dringlichst benötigt. Es sei denn, er besitze fakirisch die Akrobatikgabe, die ihn vor der, ja, Folter eines erzwungen unprothetischen - passager rettend womöglich in die Hocke gehenden – reinen Körpersitzens bewahrte. Zumal ist es diese Körperzwischenstellung des Sitzens, inter Stehen und Liegen, die ohne ihre verdinglichende "Projektion", Sitzgelegenheiten wie hier den Stuhl, längerfristig nicht auskommt.

Aber was haben diese Abwegigkeiten, mögen Sie denken, zum Wesen des Stuhls mit der psychotischen Angst vor Stühlen zu tun? Um mit der Tür ins Haus zu fallen: alle Pathologie, hier Psycho­pathologie, an ihrer Spitze Psychose, Schizophrenie, verschuldet sich dem Despekt, ja der Verleugnung des fundamentalen Unterschieds, der absoluten Differenz zwischen menschlichem Körper und dessen, diesen wie gehabt überbietenden prothetisch kulturalen Ersatz (Kompensat, Substitut, Vikariat). Weshalb aber - um aller Himmel und Heiligen willen - diese - was wohl? - mehr als gebrauchshintertreibende Vermessenheit? "Eritis sicut Deus" - heißt es schon, satanische Verführung, in der Bibel, und man schüttelt, eines solchen Unmaßes an "Gegenaufklärung" an schlechter Mythologie wegen, rechtens den Kopf? Nein, nein, denn trotz aller stolzen Distanzierung davon, gipfelnd anscheinend in Wissenschaft, sind wir mit Haut und Haaren Gefangene, sind wir Knechte dieses, ja, menschheitlichen Grundübels, einer unablässigen Phantasmatik, die selbst noch in dieser ihrer Diagnose voll durchschlägt, den Urdoublebind unseres Gottes- sprich: Todesnichtungsbegehren ausmacht, sich in ihrer höchst vernünftigen Verwerfung als Teufelswerk gleichwohl unangefochten behauptet. Und was ist das, dieser unauflösbare: materialisierte Schein, das "Dingarkanum"? Daß wir, von Anfang an, auf diese unsere dingliche Selbstverdopplung setzen müssen, im Beispiel: unser körperliches Sitzens­defizit durch die Schaffung kultural dinglicher Sitzens­pro­thesen, durch Stühle, auszugleichen suchen, und diese, allzeit überzogen, mit göttlicher Vollmacht ausstatten,- um sogleich auf Pathologie zurückzukommen -: mit der Autorität der Gerichtsbarkeit über diejenigen, die Armen, die sich anmaßen, ohne Selbstverlust in dieser aufzugehen, ja diese, kurzum selbst ganz zu sein. Kein Wunder - dürfte man doch meinen -, daß dies mysteriöse Innen, das phantasmatische "Dingarkanum", sich diese Räuberei, diese Usurpation überhaupt nicht gefallen läßt, und entsprechend - Gottesgericht - strafend bis zum Selbstverlust, dem sozialen Tod, dem Tod zuschlägt – dingfetischistische Komik, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt, auch in der Psychiatrie.

Paradoxerweise aber nicht belangt wird die Produktion, die arbeitssamen Produzenten dieser - in jedem Augenblick unaufhebbar vollzogenen - Fundamentalillusion, jedoch nur unter der Bedingung ihrer Nichteinbehaltung, ihrer untertänigen Hergabe - ja, wenn man ihnen, den Dinggöttern, gebührend nicht zu nahe kommt, dann verstellen sie sich, gar langfristig, zu lammfrommer Dienstbarkeit (Dinge = Urtherapeuten der Körper). Gipfel der Verkennung dann, verfänglichster Gipfel der besagten Phantas­matik: die wahrhaft göttliche, will sagen: mörderische Läppischkeit mittels der Zurüstung aller Dinge zu Waffen, ihrer suizidalen Souveränität, überzukompensieren. 

Wie aber sich in diesem allmenschlich vor Waffen nur so trotzenden ontologischen Wirrsal zurechtfinden? Gut, die pathologische Option – die apostrophierte Angst des Schizophrenen vor einem Stuhl -, zumal bis über die Ohren verstrickt in die vorgegebene Maßlosigkeit "kapitalisierter Technologie" unserer größten vollends säkularen Leidenschaft, sie übernimmt sich, hält nicht Rand, macht - alles auf einmal - kurzen Prozeß, und nimmt es so in Kauf, fernab freilich aller kollabierenden subjektiven Regieintentionen, im Erscheinungsbild und dessen medizinischen Management, wie zur eingefleischten Inschrift eines schuldlosen Strafgefangenen, einer Opferfigur, zu verkommen, wenngleich er, dadurch gänzlich abgedeckt, sich fast wie ein Kamikaze davor gebärdete.

Gewiß, gewiß - wer aber wollte dieser lebensgefährlichen, trügerisch wie sie sich kundtut, ins - gar physiologisch festgeschriebene – Gegenteil verkehrten Spitzenanmaßung, dieser verheuchelten Ketzerei, in aller Ihrer subjektiven Nichtver­ant­wortetheit nicht wehren? Spricht nicht nur der Fachmann: mein Gott, laß doch den armen unschuldigen Stuhl, wie es fast alle Welt doch tut, einfach Stuhl sein - "ein Stuhl ist ein Stuhl ist ein Stuhl, und sonst nichts!" "Nichts" - wo kommt es her?? Und wenn ich recht sehe, so ist von Ihnen noch niemand weggelaufen - also sind sie, darf ich unterstellen, solide transpsychotisch dingefromm, so recht nach des Bürgers Art, und die Neuroleptika werden es richten. Und ich selbst, mit meinem unverständlichen Gequatsche: undankbar sonderparasitär am allhersehenden Dingphantasma, dem "Dingarkanum"?

Was ich, aller institutionalisierten tief verunbewußteten Entrüstung über die verkniffen pathologische, sich zum Opfer stilisierende, gleichwoh1 gewalthafte Arroganz entgegen, sagen wollte: man = alle, die sich blind über Pathologie hermachen - möge "sich nicht ins Hemd treten", also sich derart, schlecht immobil selbstbezüglich, nicht die volle Sicht auf den großen Anmaßungsvorausgang unserer Kultur insgesamt versperren. Oder: "man schlägt den Sack" - die Kranken - "und meint (sc. noch nicht einmal) den Esel", nämlich die Martialität des weltweit uns umzingelnden "Produktivkräfte"delirs.

Auf denn zu den fortwährenden Gratwanderungen, wenn immer dieses mein - im psychopathologischen Betrieb schier utopisches – Kontrastprogramm geteilt werden könnte: durch dessen Doppelsinnigkeit stigmatisiert schwankend zwischen, einerseits, Kampfansage an die und reserviertestem Respekt vor der pathologieerzeugenden tätigen Verzweiflung, andererseits; Monitum der in die objektiven Kulturgewalten außenvor blinden Involution und, in einem, der Rettung nachgerade deren, dieser Verstrickung, Verratscharakter - hintergehende Offenlegung/offen­legende Hintergehung - darin; dem Despekt der zumal pathologisch mißratenden - bloß, kompromisuell, symptomatisch geratenden - Todesparade und, zugleich dabei, dem gegenteiligen Lob des Menetekels dieser Mißrätlichkeit; der mitfühlenden Solidarität mit dem krankheitseigenen Leiden und, simultan, dem - unbeliebten - Akzent auf der gewaltverschleiernd tückigen Opferposition in dem.

Genug aber nun solcher intellektuellen Strapazen, in denen ich, im Überschlag, mein elaboriertes Ethos des Umgangs mit Pathologie kundzutun mir erlaubte. Dacapo jetzt zu deren abweichendem Begriff - im Beispiel der, gerne irrational gescholtenen, Angst des besagten Schizophrenen vor einem, durchweg doch als harmlos angesehenen Stuhl. Nein, der candide, wie sodomasochistisch jenachdem seiner zahlenmäßig astronomischen Verwendung zuwartende Stuhl, er ist, dem widerzweckrationalem "Dingarkanum" gemäß, mitnichten harmlos - pardon für den "Kategorienfehler", die psychosenvirulente Verwechslung von "Körper" und "Ding" - er ist höchst gefräßig, ja doch hinter dem psychotischen Übeltäter - weshalb Übeltäter? - her; erheischt, zuvor schon um seiner Industrie, seiner Herstellung willen, das - die produktive Naturschändung sühnende - "Opfer der Arbeitskraft", die Devotion des Körpers; restituiert – wie sodann? - in der einzig opfergesicherten "Opferprämie" seines fraglosen Gebrauchs. Und, zwischendurch, in den Tauschhändeln? Da ist beider, des Körpers wie des Dings, Verwahrung vonnöten.

Und der Sinn dieses affektivangstsignalisierten paranoischen – vor dem schizophrenen Fusionskollaps rettenden - Verfolgungsverhältnis? Der Stuhl, ja der Stuhl selbst als solcher, er hat es - um bei dem apostrophierten quid pro quo obstinat zu bleiben - nötig, hat erheblich "Dreck am Stecken": hört Ihr denn nicht - spricht mutistisch der Schizophrene -, wie das Holz (oder sonst was), Kulturhyle, unter seiner transfigurierenden Malträtierung stöhnt und schreit, dies Martyrium, die - niemals, auch wenn von menschlichem Opferblut nur so triefende, arbeitsprokurierte - Kriminalität der Produktion? Weshalb verschließt Ihr denn die Augen vor seiner Durchseuchung vom globalen Unrecht der Verteilungsprivilegien? 0 welch amoralischer Stumpfsinn, wie sich, erosverführt, Ihre fetten Ärsche genüßlich ohn Erbarmen breitmachen! Bravo!?

"For the last time, no!" Des Schizophrenen Botschaft - so wäre er ja, höchst moralisch, in einem Aufwasch Ökologe, Marxist und Konsumverweigerer obendrein -, sie verhallt. Mehr noch: sie besteht in meiner - inwiefern dann allein verbindlichen?-Interpretation seiner – einzig empirisch ja gesicherten - Angst. Ferner, schlimmer noch, verharrt sie totaliter im Bann der ganzen Lächerlichkeit der persekutorischen Gericht­bar­keits­vollmacht konkretistisch eines Stuhls, dieser unwürdigen Gotteskomik der "projektiv identifkatorischen" Selbstverfolgung – ein Gott, der Gott der Gerechtigkeit, der es nötig hat, seine, sagt man, Anmaßungen in aller Härte zu bestrafen, der kann kein Gott, das doch absolute Wesen schlechthin, sein. Die Angelegenheit gibt sich zwar buchstäblich todernst, doch aus hinlänglichem Sicherheitsabstand unsererseits entbirgt sich die gerichtsbefugte Göttlichkeit just eines Stuhls, mitsamt der panischen Flucht vor ihm, als maliziöse respektive debile Groteske, als Witz, der, nachhaltig belacht, Sichtotlachen ergäbe.

Ja, gewiß - was aber bliebe denn da noch in Pathologie an zuträglichen Offenbarungsresten? Antipsychiatrie in toto ade? Querschläger der zivilen Anpassung, läßt Krankheit aufmerken - in unserem Sinne willkommen, ansonsten kaum -, daß nämlich im gesellschaftlichen Zusammenhang, in dem sie jeweils spielt, doch etwas im Argen liegen könnte; nur daß sie es der Solidarität mit ihrem oppositionellen Wesen insofern schwermacht, als eben gerade ihre entscheidende invertierte Opferversion die angefochtenen Anpassungsnormen, trotz deren exilierende Anfechtung ja vollauf bestätigt. Bleibt für unsereinen als Gunst, immerhin – jenseits auch des Inbegriffs ihrer lächerlichen Verfolgungswürdigkeit durch die einschlägigen Dinggötter, memo: hier die Stühle (inklusive deren personalen Kontexte)-, die mehr als bloß um die Ecke herum, mehr als oblique Verräterei (Prodition, Perfidie) unseres ontologischen Betriebsgeheimnisses, dessen intellektuellen Mehrwertrahm wir, allzeit an der Grenze von Pathologieausbeutung, -enteignung, abschöpfen, fortwährend unfern auch der Verlegenheit, in dessen helfenden Rückvermittlung an die betreffenden Kranken, zumal im Psychosenfall, zu versagen.

Ja, helfend - nur daß die Austreibung des "bösen Geists Legion" aus unseren "Besessenen", so sie gelänge, diesen anderswo dann - etwa, gemäß der Bibel, in einer sich ertränkenden Schweineherde – platznehmen läßt; und die Schweineleichenteile werden von den Fischen aufgefressen, und die Fische von Menschen verspeist - zurück zum Anfang: die Psychiatrie ruft. Also: die fortschreitend unverfügbarere Gewalt nimmt kein Ende, und jegliche Heilung führt, inkognito, zu einem Zuwachs an Kriegsrüstung und Krieg. Heilung? Das ist Differenz(wieder)­herstellung wider die rasende Indifferenz, post festum productionis, des nämlichen freisetzenden Vorgangs hier schon. Das "Ungetrennt, doch Unvereint" von "en soi" und "pour soi", erscheinend von "Körper" und "Ding", Lacansch ausgedrückt die Einräumung der "Kastration". Das differenzmotivierte Abgetrennte aber bleibt desselben martialischen Wesens wie, anders, im Zustand seiner Einbehaltung, und es hat Heimweh nach diesem, erfüllt im Finale seiner suizidalen Explosion.

Worin demnach, zusammengefaßt, das jetzt wohl nicht mehr so rätselhafte "Dingarkanum" besteht? In der Dinge urtherapeutischen Körperverwesung, vollendet in Waffen.

Kurz noch, apart, dies Satyrspiel, passend zum Beschluß: Versteht sich, daß das psychotische Körper-Dingverhältnis sich in der ausgeführten Verfolgung nicht erschöpft. So erfuhr ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie von einer jungen schizophrenen Patientin, die, daran gehindert wütend darauf bestand, wenn sie des morgens aufstand, ihr Bett sogleich aufzustellen, es mußte unbedingt mitaufstehen. "Körper" und "Ding", "KörperDing", abgründig "ein Herz und eine Seele". Zu spät aber, denn das Ding, das Bett, zum Körpermitgang ("coitus") genötigt, ist so ja längst schon abgelöst different. Die Indifferenz aber geht beider Genese, dem großen Todestriebwerk Produktion, voraus, im Sprung, über die pathologische Zwischenblockade hinweg, in befreiende Kriegsdinglichkeit, rückbezogen auf den selbst wiederum gerne verdinglichten "Leib" ("corps propre") als "Körper"/"Organismus"("corps matière").

Das muß ich rasch, um endgültig aufzuhören, loswerden (ja loswerden) noch: psychoanalyseherkünftig haben manche von Ihnen sicherlich vermißt, daß ich, wohl stärker noch satyrisch, den Doppelsinn von Stuhl außer acht ließ. Nun, auf dieser keineswegs ursprünglichen, nur entschieden mitbetroffenen exkremen­talen Körperebene spielen sich, nicht eo ipso de facto aber, dieselben symptomatischen Indifferenz-Differenzdramen ab. Symptomatisch?: die ganze Restindifferenz als Substrat des Austrags deren Gegenteils. Und zwar die Inzestuösität – überfällig dieser Terminus! - der Einbehaltung (der "analen Retention"), sowie am anderen Ende der Ausstoßung (der "analen Elimination"); pathologische Indifferenzanzeigen: derart korrumpierte "Organmodi". Dort, retentiv, würde ich mit meiner eigenen Scheiße differenzentledigt eins; hier hingegen, eliminativ, derart überzogen auf purgierendem Diskrimina­tions­kurs, daß die rettende Differenzierungsleistung darin - Scheiße zerstiebend adio! - sich in sich selbst, waffenanalog, widerlegt. 

Hilflosigkeiten - Obstipation und Diarrhö -, die nach ordent­lichem Dingeerscheißen, Stühle hier, schreien. Und achten Sie bitte darauf - das gebe ich Ihnen mit auf den Weg (wohin?)-, daß Sie, ob Ihrer Vermessenheiten, nicht wie Peirithoos ehedem in der Unterwelt, an den "Stühlen des Vergessens" kleben blieben, respektive, was auf dasselbe hinausliefe, daß die Stühle unter Ihren Hintern sich wie ins Nichts auflösten und Sie - platsch! - auf dem Fußboden landeten - ein humaner Unfall.

Kurzer Epilog 

Highlight in der Diskussion meines Vortrags (gehalten am 7.IX. 2014, innerhalb der "Internationalen Fachtagung Psychoanalyse & Psychiatrie" im Klinikum Oberberg, Klinik Marienheide, Zentrum für Seelische Gesundheit), bestehend aus der Mehrzahl plakativ redigierter Teile seiner oben vorgestellten Lesefassung, also reduziert um theoretisch besonders dichte und derart nachdrücklicher in die Dimension der – anderswo verstreut ausgiebig ausgeführten - doktrinalen Voraussetzungen weisende Textpassagen:

nämlich Kaltenbecks schizophrene Patientin, die Stühle und danach die eigene Mutter nicht mehr identifizieren konnte. 

Hades‘ "Stühle des Vergessens" heißen ja nicht von ungefähr so: "Stühle des Vergessens", denn fusionieren respektive diskriminieren Körper und Ding, so entfällt ja beider different­ver­pflichtete Vermittlung, das Interim Gedächtnis - Stühle, die zu Alzheimerapparaten, ultimativ zu "elektrischen Stühlen" werden. 

Und alle Dinge - Warenfetische, erfüllt in Waffen, "Todestriebrepräsentanzen" - generationssexuell konkretisiert sind sie "Mutterleibleichen", d.h. Phantasmagorien des hiesig disponierten Todes kraft der ?-filialen Opfertaten in der homo-Observanz des Himmlischen Vaters mitsamt seiner Herrenmägde. 

Rührend wäre es demnach, wenn überhaupt derart wahrnehmbar, daß ein abwegiges Tochterwesen den Muttermord, befangen in dieser kulturkonstitutiven Uruntat, auszublenden sucht - Maternalitätsinkognito. 

Nachgeholter Akzent: die hominide Exklusivität des Sitzens - das Los des Anthropos. Und die – kentaurische - Vierbeinigkeit des Stuhls evoziert die exemplarische Animalität desselben eben als Theriomorphismus, neuzeitlich szientifisch adaptiert dann in der Bionik.

(Körper und Ding - genauer: "Leib" ["corps propre"] und Ding [leiblich rückbezogen = Organismus, "corps matière"])

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